books/Angermeyer_Steinberg__200_Jahre_Psychiatrie_an_der_Universitaet_Leipzig.pdf 81 82 Paul Flechsig (1847–1929) – ein Hirnforscher als Psychiater (H. Steinberg) * 1847 Pfarrerssohn, Med. 1865 (Leipzig), Prom. Syph. (path.) Gehirnanatomie - Markscheidenbildung, 1872 präs. Kongress 83 1874 Habil mikrosk. Anat. Ministerium f. "Cultus u. öff. Unterricht" will Pyschiatr. Klinik errichten, med. Fak. nimmt sich des Projekts an (-> Lehrstuhl!) 84 erst 1877 Besetzung, Flechsig zweitplatziert (nach Hitzig!, 3.: Forel!) ... obwohl die beiden anderen mehr psychiatr. Erfahrung hatten ... 85 Berufung 1. 4. 1878 "Von der Psyche wissen die Psychiater nichts, Flechsig weiß wenigstens etwas vom Gehirn" (sein Lehrer Ludwig) Studienreisen: 86 Charité (F. O. Westphal), Göttingen (Ludwig Meyer), Paris 188- (Martin Charcot) 1878, 1879 München (Bernhard v. Gudden, der ihn bereits 1878 des geistigen Diebstahls bezichtigt) 87 liest ab 1880 auch "spez. Psycho-Pathologie mit klin. Dem." 1882 Antritt als Extraordinarius mit der VO "Die körperl. Grundl. d. Geistesst." 88 Fakultät gegen Ordinariat - zu wenig Info über Klinik, noch zu wenig (klinische?) psychiatr. Erfolge, später gerne 89 Flechsig gestaltet Irrenklinik nach Griesingers Modell des "Stadtasyls" 130 Betten ebenfalls nach Griesinger: Öffnung für Unterrichts- und Lehrzwecke 90 Erstbegutachtungs"recht", kann aber Pat. mit einem Heilbedarf von vermutl. mehr als 6 mo an die Anstalt Sonnenstein bei Pirna "recurieren" (Gemeingef. -> Colditz, "unheilbare Ungefährliche" -> nach Hause) 91 2 Assistent*innen 1882: Emil Kraepelin (aus München bei Gudden), 92 Georg Lehmann (1855–1918), stud. Leipzig/Strassburg, dort prom. 93 Grundriss, Aufteilung 94 Eröffnung, u. a. mit Kraepelins "Laboratorium für experimentelle Psychologie" (namensgleich mit Wundts Lab. 3 a vorher) 95 Flechsig fragt nach, ob er nun Dirketor ist (will wohl eher Ordinarius werden ...) 96 ... das Ministerium bestellt ihn explizit zum Direktor (nicht O.) weitere Interventionen beim Minister 1884 Antrag der med. Fak. an Min., F. zum O. zu bestellen keine Forderung nach wiss. psych. Tätigkeit mehr 5. Juli O. (F. 37 a) 98 1898 Klinik umbenannt "Psychiatr. u. Nervenklinik" Nachfolger Bumke (ab 1921): "Ein Verließ, Zellen, Gitter, Zwangsjacken, Hängematten und immer noch Angst vor den Kranken, die Klinik umzubauen war leichter, als das Pflegepersonal umzuerziehen." Sieht Kranke als minderwertig, was sich nach Steinberg auch in Umgang und Klinikarchitektur widerspiegelt 99 "»moralisches Irresein" und andere klassifizierende Krankheitsbezeichnungen Kranke als "Personifizierung des zu Überwindenden, des Bösen, der Krankheit"