Skizzen über Umfang und wissenschaftliche Anordnung der klinischen Psychiatrie Dr. Th. Meynert Wien 1876 Wilhelm Braumüller 1 "Es hat vor längerer Zeit schon in den Irrenhäusern Psychiater gegeben, welche ihre Kranken auch deminstrirten, ohne dass man con einem kliinischen Unterrichte dabei sprechen konnt. Denn die Psychiatrie war an dem neuen Morgen der gesamten Medizin nicht mit erwacht; die rein pscyhologische Anschauungsweise der Krankheiten, die Ueberschätzung des Anstaltswesens als einer über alle anderen Mittel wirksamen, in den AUgen Mancher unerlässlichen Methode der Behandlung, das Vorurtheil, der Arzt müsse alle nicht ärztlichen Functionen des Verwaltungswesens unmittelbar ausüben, trennte jene Lehrer scharf von unbefangener klinischer Forschung und Anschauungsweise ab. Ihr Blick war im günstigsten Falle auf Gegenstände accomodirt, welche der klinische Lehrer, wenn er bei der Sache ist, nur im Horopter erblickt, und was dieser sorglich fixirt, schwankte, wenn sie bei der Sache zu sein glaubten, in unklaren Gestaltungen ihres Horopterkreises. Darum kommt es vor, dass sich Psychiater, und solche, die, so weit es ihnen passt, sehr ostentativ das Modegespräch über Wissenschafr cultiviren, sobald die klinische Wissenschaft als Hauptsache auf psychiatrischem Felde hervortritt, sich öfter erschrocken den Ruf entschlüpfen lassen: das ist ja nicht Psychiatrie! Ich führe dies nicht in Absicht eines Widerspruchs an, sondern weil ich diesem Rufe zustimme. Die psychiatrischen Kliniker lehnen nicht etwa den ehrenvollen N_a_m_e_n Psychiater ab, saber der herkömmlcihe Begriff von Psychiatern trifft auf sie nicht zu. Sie betrachten sich schlechtweg als wissenschaftliche Neuropathologen, die bedauern meist, dass berücksichtigungswerthe Umstände ihnen nicht die akademische Vertretung der ganzen Neuropathologie gestatten, und nur die Erkrankungen des Vorderhirns mit ihren Complicationen ihr eingeschränkter Lehrstoff sind. Wenn aber Theilung der Arbeit vielleicht eine wichtig Entwicklungsberiode der Neuropathologie daraus macht, dass ein derartig begrenzter Lehrstoff mit specialistischer Concentration klinisch entwickelt wird, so ist der Kreis des Zusammenfallens der Forschungsobjecte mit dem Inhalt der Irrenhäuser doch durchasu nicht die Grenzlinie für den psychiatrischen Kliniker [...]" 2 "Weniger als das Ganze dieser Lehre darf unsere Specialität nicht sein." 5 "Sehen wir nicht alle die Reste basaler Meningitis an Gehirnen von Irren, welche _Kahlbaum_ auf die Formen seiner Katatonie bezieht?" 10 ref. Hoestermann (als "Höstermann"), der einen Fall publiziert hat (Bäcker) 15ff 12 Fallbeispiele (Formen) von Facialislähmung 30 plädiert für Beobachtung des Krankheitsverlaufs, nicht nur der Symptome 31 Erkrankungen des Vorderhirns "theils" sntsprechend "diagnosticirbarer" auffallender Formen anatomischer Veränderung; wo diese fehlen -> Verlaufsprocess als SPiegelung des inneren "Processes"; "Zweifellos werden wir dabei auf viele verwerthbare, wenngleich unscheinbare, schon bekannte anatomische Thatsachen stossen, öfter auch vorläufig gleichsam algebraisch mit Thatsachen rechnen müssen, welche noch nicht scharf ersichtlich, doch als Grundlage eines scharf erkannten Processes vorhanden sein müssen" z. B. Leyden zu Lähmungen bei Myelitis -> "Myelitis ohne Erweichung" Aphasie, Amnesie -> Encephalitis oder "Erweichen im Vorderhirn", aber auch Fälle ohne anatom.pathol. Befund 32 "trockene Encephalitis" im Sinne Leydens 35 Manie kann von Hyperämie und Anämie verursacht werden -> Symptom nur im Verlauf deutbar Fluxionen [sic] -> Psychosen ;-) 36 sieht bereits in der früheren Literatur Verlaufsbeobactungen (bez. prim./sek. KH-Verlauf), sieht diese aber als falsch angewendet, weil auf der theoretsichen Hinzudichtung früherer melanch./maniak. Erkr. beruhend plädiert andererseits auf Ausdehnung d. Attributs "secundär" auf andere Bez. vor allem zusammengesetzte KH-formen "sicher" parallel zu Processen, etwa "der Stupor oder die attonische Melancholie, wobei übrigens von char. trauriger Verstimmung gar nicht die Rede ist 37 _Kahlbaum_'s Katatonie). Vielmehr handelt es sich um eine Reihenfolge von fluxionären Erregungen, welche aber durch Momente von Gehirndruck, durch mikroskopische Exsudationen, etwa unterst. durch Höhlenwassersucht, frühzeitige Nahtverkn"ocherungen sofort abgeschwächt werden, so dass nach _Kahlbaum_'s guter Bezeichnung die Erregung nicht, wie echt und lebendig, sondern wie gemacht, theatralisch erscheint." ... "Ebenso sei der, viel zu verallgemeinerten, Reihenfolge von echter _Melancholie_ und _Manie_ gedacht." "Noch weiter zusammenges. ist die sog. _circuläre_ Form eines Wechsels zw. Melanch. u. Manie." 38 DurchblutungserklÄrung f. bipol. St. ;-)