Anne Schlüter (Hg.) Pionierinnen - Feministinnen - Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland 1 Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland (Anne Schlüter) Schweiz: "Einzelne Frauen studierten deshalb im Ausland. Zuerich war in der zweiten haelfte des 19. Jahrhunderts ein Mekk studierwilliger Frauen aus allen Laendern, vor allem aus Rußland und Deutschland. Dazu zaehlen bekannte Frauen wie Rosa Luxemburg, Anita Augspurg, Ricarda Huch, Kaethe Schirmacher, Emilie Lehmus, Marie Baum, Ilse Frapan, Franziska Tiburtius und Agnes Bluhm. Frauen, die sich spaeter zum großen Teil auch in die buergerliche Frauenbewegung im damaligen Deutschen Reich aktiv einmischten." 2 "Einige studierwillige Frauen baten auch an den deutschen Universitaeten um Sondergenehmigungen. Sie bedurften allerdings der Protektion, um als Ausnahme von der Regel extern das Abitur an Jungenschulen zu machen, um als Ausnahme von der Regel studieren zu duerfen. Solch eine Ausnahmefrau war die Graefin Maria von Linden, deren biographische Daten von ULRIKE JUST fuer diesen Kontext zusammengetragen wurden. Maria Graefin von Linden gilt als erste Tuebinger Studentin in Mathematik, Physik, Mineralogie und Zoologie und als erste Professorin in Bonn." 4 "Obwohl es [...] ausreichend wissenschaftlichen Nachwuchs gab, schafften es nur zwei Frauen in der Weimarer Zeit, ein Ordinariat zu erhalten" (Erziehungsw. Mathilde Vaerting, Botanik Margarethe von Wrangell) 9 "Kein Vaterland" [mit Anfuehrungsz.!] - Deutsche Studentinnen im Zuercher Exil (1870 - 1908) Gabi Einsele Vera Figner (Rus.), Franziska Tiburtius (D), Kaethe Schirmacer (D), Hedwig Waser (CH, in Zuerich geb.) 10 erste: Diss. 1867 Nadezda Suslova-Erismann (Med. -> Gynaekologin in St. Petersburg) 11 1871/21 30 Frauen (davon 24 Med.) Sommer 1873 112 (meist Russ.; viele unzureichende Deutschkenntnisse, kaempften gegen Zaren, nicht wirklich an Studium interessiert - ernsthaftere Studentinnen fuerchteten um Ruf des "Experiments Frauenst.", Forderung nach Maturitaetspruefung o. ae. Zeugnis -> ab 1873; Zar befahl Verlassen der Studienstadt unter Androhung von Berufsverbot in Heimat -> Rueckgang d. St.innen) 1874 erste Schweizer Aerztin (Marie Voegtlin verh. Heim 1845 - 1916) -> Praxis 1875 Emilie Lehmus, 1876 Franziska Tiburtius, beide Med. Abschluss, eroeffneten gemeinsam "eine /Polyklinik fuer Frauen/, Berlins erste Aerztinnenpraxis" Schwankungen: statt Rus. -> Oest., D. GB, US, CH ... 1880/1 nur 9 Frauen! 1883 ~ 27 1887 ~ 50 (10 %), danach deutl. Anstieg 12 u. a. Louise von Salomé (aus St. Petersb.), aka Lou Andreas-Salomé (1861 - 1937) 1880-1 Theologie/Philosophie, nie inskribiert 14 1887 Ricarda Huch (1864 - 1947); Studienkolleginnen: Marie Baum (Biographin von Ricarda Huch) Marianne Plehn Hedwig Waser (verh. Bleuler) (NOTE) 15 Rosa Luxemburg (1871 - 1919): 1889/90 Zoologie, danach Oekonomie, 1992 Staatswissensch. Anna Mackenroth (1861 - 1936) Jus 16 1892/3 Ilse Frapan: "Die Betrogenen" (1898), "Wir Frauen haben kein Vaterland" (1899), "Arbeit" (1903) Wir Fr...: kein Stipendium f. Frauen, Med. Studentin muss Kopfarbeit durch Handarbeit ersetzen, menschenverachtendes Bild d. Medizin -> 17 Protestversammlung v. Med. Prof. U. Kroenlein gegen "Frapansche Verlaesterungen" ("gesamte Fakultaet" = nur Burschen ...) 97 Agnes Bluhm (1862 - 1944) - Aerztin und Rassenhygienikerin (Karin Siebertz) [s. o. zu Zuerich] 98 Inskr. 1885/6, 1890? mit 28 a nach 8 Sem. Diss. "Zur Aetiologie des Morbus Brightii" 99 1905 fruehes Mitglied d. "Berliner Ges. f. Rassenhygiene", ab 1910 in "Dt. Ges. f. Rassenh." eingegliedert 102 propagierte "Mutterschaft als Pflicht und Opfer d. Frau", ... 115 Der Kampf um das Frauenstudium im internationalen Vergleich - Beguenstigende und hemmende Faktoren fuer die Emanzipation der Frauen aus ihrer intellektuellen Unmuendigkeit in unterschiedlichen buergerlichen Gesellschaften (Ilse Costas) 116 "In den ersten 30 Jahren des Kaiserreiches erlaubte kein deutscher Bundesstaat, daß Frauen sich an seinen Universitaeten immatrikulierten. Das staatlich durchorganisierte Bildungssystem mit seinem /lueckenlosen Berechtigungswesen/ gab den Frauen, die einen akademischen Beruf ergreifen wollten, keine Moeglichkeit, an irgendeiner Stufe - etwa durch private Vorbereitungen auf Eingangspruefungen - Zugang zu erlangen. Da die Frauen vom Abitur an Knabengymnasien ausgeschlossen waren, erfuellten sie nicht die Voraussetzung zur Immatrikulation. Daraus folgte die Nichtzulassung zu den Staatsexamina, die wiederum zur Ausuebung akademischer Berufe berechtigten (Albisetti 1983, S. 1). [...]" 117 "Die Argumente der Gegner des Frauenstudiums wurden vor allem von den Medizinern geliefert. Ausgestattet mit der Autoritaet scheinbarer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ueber das wahre /Wesen der Frau/ und der ihr angemessenen gesellschaftlichen Aufgaben als Reproduktionsfaktor wurde ihre physische und intellektuelle Inferioritaet immer wieder bis weit ns 20. Jahrundert hinein festgestellt (Costas 1988 S. 186f; Geyer-Kordesch, S. 225 ff)" 129 GB: General Medical Council (8 Mitglieder) _keine_ Mehrheit gegen Frauenstudium; Royal College of Physicians (eigenes College, legt Wert auf Gentleman-Ausbildung in Oxbridge): lehnte Frauen als Aerztinnen vehement ab 131: USA ab 1833 Zugang zu koed./Frauencolleges, bes. Lehrerinnen - Siedlergeist, ... hindernisreich jedoch weg zum Doktor[innen]titel - eher mit amerik. undergrad. an dt. Unis