Sandra Steinboeck (1. Teil) Nilufar Mossaheb (2. Teil) = Vom Geschlecht des Wahnsinns = Feminist. Theorien 1970/80er Konstruktion von Normalitaet - Foucault Hysterie Normalitaet und Abweichung zeit-/kulturabhaengig; Strenge Reglementierung in modernen Gesellschaften: Ueberwachung der Normen/Abweichungen durch Psychologie-/Psychiatrie-ExpertInnen ... Foucault - Wahnsinn und Gesellschaft ... Galen Mittelalter ... Edward John: Hexe - Hysterie Thomas Willis: zerebraler Ursprung (aber Daempfe des Uterus) Jean-Martin Charcot: dynamische, zerebrale Laesion als Ursprung der Hysterie Muster des hysterischen Anfalls in vier Phasen (nur an Salpetriere) * epileptische Kraempfe * hysterische Laehmungs- und Krampferscheinungen Trennlinie Sigmund Freud: >Hysterie als Ausdruck unterdrueckter traumatischer Erinnerungen psychologische Erkrankung mit quasi-physischen Symptomen (Wiederaufleben des Oedipus-Komplexes; Gewalterfahrung als Phantasie abgetan - Verleugnung weiblicher Realitaet durch Freud?) Krankheitsgewinn: * Neudefinition in der Familie * Ausserkraftsetzen der buergerlichen Familienordnung * Abgeben der Funktionen Mutter, Ehefrau, Tochter * Verlust der Arbeitswelt durch Heirat schichtspezifisch oder kein Zugang von Arbeiterinnen zur Psychiatrie/PA? Arbeiterinnen - eher Selbstverletzungen "hysterischer Charakter": * boshaft, luegnerisch, launenhaft, egozentrisch, unmoralisch * v. Krafft-Ebing initiiert * Uebersteigerung der "normalen" Weiblichkeit * durch Eigenschaften bestimmt, die Frauen seit der Kindheit antrainiert wurden Otto Weininger "Geschlecht und Charakter" (TODO Buch) Ende der "klassischen" Hysterie: (widerwillige Unterwerfung unter gesellsch. Zwaenge) * Verschiebung von motorischen zu sensorischen Symptomen * Frauenbewegung mit anderen Bewaeltigungsmoeglichkeiten als Krankheit * Krankheitsbild zunehmend von anderen Krankheitsbildern ersetzt (affekt. St. ...) zwischenzeitlich (Zwischenkriegszeit) Hysterie auch von Maennern annektiert Anorexie als "neue" Hysterie: (Christina von Braun?) * typische Frauenkrankheit * "boeser Wille" der Frauen * Darstellung der gesellsch. akzeptierten Quasi-Essenz der Weiblichkeit Nilufar Mossaheb = Hysterie aus psychiatrischer Sicht = "was ist mit der Hysterie passiert?" * Konversion ... * Hysterie imitiert kulturell erlaubte Ausdrucksformen von Leid * Symptomenpool (zeit-/kulturspezifisch): Ende 19. Jh Laehmungen, Paraesthesien ... * -> Welche Symptome heute erlaubt - gibt es das noch? Massenhysterien? Hysterie als Grundsprache (Protolanguage, R. M. Woolsey, 1976), Code zum Ausdruck nicht verbalisierbarer Botschaften? Kulturelles Symptom von Angst (Nazideutschland, McCarthy-Aera ...)? Mitteleuropa: v. a. Frauen Nordeuropa (Skandinavien): viele m. Hexer ist Hysterie ein weibliches Phaenomen? * im 1. WK bei Soldaten ohne koerperl. Symptome - "shell shock" (phys./chem. Effekte, dt. Kriegsneurose, auch nach Waffenstillstand) seit 1. WK m. Hysterie als Widerspruch in sich betrachtet http://www.youtube.com/watch?v=SS1dO0JC2EE cf. Neurasthenie (v. a. gebildete Maenner/Frauen - psychische Ermuedungserscheinungen: * bei Frauen; Frotpflanzungsstoerungen, Entbindung, emot. Traumen, Erschoepfung, intel. Beanpruchung * Maenner - Aktivitaet (zur Unfaehigkeit gar nicht faehig) Neurasthenie auch heute ICD-10 F48.0 (>= 3 m Muedigkeit oder Schwaeche nach geringer Anstrengung) Alain Ehrnberg (TODO Buch) Hysterie heute? * chronic fatigue syndrome (nicht in den diagnostischen Manualen; 0.007 - 2.5 %, 20 - 40 a, 80er - Kontext: AIDS, Erfolg, Anforderungen, Arbeit/Familie, Prestige, Macht ...) (aetiologische Hypothesen - viral (XMRV), Hg, Schulsystem ...) * Golfkriegsyndrom - Traumen maennlicher Veteranen vs. Traumen der weibl. Zivilistinnen (sex. Missbrauch)? * recovered memory * multiple Persoenlichkeitsst.: Boom 1980er USA (seit DSM-IV: dissoc. pers. disorder, f > m 10:1) * Entfuehrung durch Aliens dissoc. pers. disorder: Kritik aus Europa (Unzuruechnungsfaehigkeit vor Gericht ...) (Dissoziation als Ueberlebensstategie bei Gewalterfahrungen) Edward Norton Zwielicht (primal fear) Thoerien: * Kompl./Mult. von Frauenrollen ... klassische Hysterie aus feministischer Sicht: * Moeglichkeit, Frauen abzuwerten * kulturspez. Moeglichkeit d. Rebellion * Produkt d. sozialen Umstaende moderne "Hysterien": * Massenmedien -> raschere, evidenzbasierte/nichtevidenzbas. Informationsverbr., Angst, Verschwoerungstheorien ... f > m: * Schizophrenie * Angsst. * somatof. St * Belastungsst. ... kein Unterschied bei niedrigpraevalenten Krankheiten (Schizophrenie, bipolare Stoerung) grosse Unterschiede bei hochpraevalenten St. (PTSD, Depression, ...) Schizophrenie Vorurteile vs Fakten: * m =~ f (Studien: m > f 1.42:1), aber Praevalenz identisch * Ersterkrankungsalter m < f (Studie: nur bei m mit neg. Familienanamnese - kein Unterschied bei vorh. Familienanamnese) * praemorb. Funktionsniveau f > m (f besser eingebunden) * Symptomanalogie (f mehr aff., pos. Sympt., paranoide Wahnsymptome, akust. Halluz; m mehr neg. Symptomatik) Theorien: * reale Inzidenz gleich, aber f frueher/eher erkannt (schwerer) * reale Inzidenz f < m Sex oder Gender? m mehr Substanzabusus - kann Ausbruch der Erkrankung beschleunigen * aelteres Erkrankungsalter, aff. Symprome -> besserer Verlauf (f assoz.) * junges Ersterkrankungsalter, neg.,/desorg. Symptome -> schlechtere Prognose (m assoz.) Verlauf/Medikation: Unterschiede bezgl. Antipsychotika: eher Symptom- als Geschlechtsbezogen (wie oben) Frauen brauchen ~ niedrigere AP Dosen als Maenner Sex (Pharmakokinetik: z. B. Olanzapin bei m schneller abgebaut) oder Gender (Symptome Polytoxikomanie/legale Drogen bei m) f haeufigere UAW (Gewichtszunahme, metabol. Syndrom) - CATIE-Studie: 36 % m met. Synd, 51 % f met. Synd. Outcome: f mehr Langzeitbeziehungen, Kinder, FreundInnen, Familienkontakte (Vila-Rodriguez et al 2011) schlechteres Outcome bei m (wegen Substanzabusus - neg. Effekt auf Verlauf, haeufigere Episoden/Hospitalisation, schlechteres soziales Outcome, Risiko fuer HIV/Hep C) -> f sprechen schneller an, kuerzere Hospitalisierung, bessere Compliance, soz. Netzwerke, ... Brovermann 1970er, Nesbitt/Penn 2000 - Askriptionen psych. gesunder/kranker m/f -> Norm fuer Gesundheit = m psychisch kranker Mann -> Symptome psych. gesunder Frau (2000: gefuehlsbetonte Eigenschaften als sozial positiv, aber psychische Gesundheit/Krankheit wie 1972 m = normal) -> mehr f als m Stoerung mit exz. Emotionalitaet zugesprochen (BPS, Histrionische PS) -> normative Wertungen und Stereotype fliessen in die Diagnose ein! * f stufen Pat. seltener als krank ein * m stufen f haeufiger als krank ein * f beschreiben bei Pat. geringste Symtpomauspraegungen * f benennen bei Pat. haeufiger pos. Eigenschaften ("spontan", "erfinderisch" ...) * m betonen neg. Merkmale f haeufiger mit Depression diagnostiziert, m haeufiger mit Alkoholkrankheit diagnostiziert Vulnerabilitaet - Risiken Geschlecht und psych. Gesundheit - Attribuierung/Kategorien