Jung, Carl Gustav Über die Psychologie der Dementia praecox. Versuch Halle a. S. : Marhold ; 1907 [onb Neu-Mag 677913-B] 1.: krt. Darst. theoret. Ansichten ue. d. Psychologie d. Dem. praec. Tschisch 1886: Unfaehigkeit zur Aufmerksamkeit Freusberg 1886: Abschwaechung d. Bewusstseins bei Katatonie (Jung: cf. Janet, modern) Kraepelin, Aschaffenburg: Aufmerksamkeitsst. Ziehen et al. 1894: Untersuchung Sommers: "Hemmung" geistiger Vorgaenge (Vorstellungsablauf verlangsamt, Bilder fesseln Aufmerksamkeit), erklaert Sperrung (Verl. Reak.) durch opt. Fesselung (Jung: cf. Staunen/Vorsichhinstarren bei Gesunden); sprunghafte Assoziationen Roller: gegen Sommer: kranke Perzeption fesselt gesunde Apperzeption Neisser: schliesst sich Roller an, sieht logischen Mechanismus in unter der Schwelle d. Bewusstseins liegene pathologischen Reizzustaenden Kritik Jung an Roller/Neisser: 1. anatomische Auffassung - subordinate Zentren noch unbekannt; 2. keine Psyche ausserhalb Bewusstsein, verweist auf Hypnotismus als Gegenbeispiel; 3. "u. d. Schw. d. Bew" meint laut Jung wohl Zellvorgaenge d. Rinde, was sie aber nicht von "normalen" psych. Konstell., fuehrt Traeume als Gegenbeispiel an - "Und doch wird niemand behaupten wollen, dass die Traeume ohne psychologische Konstellation gewissermassen direkt aus der Zelle abstammen" Bonhoeffer: pathologische Einfaelle 6 Mueller-Pilzecker: "Perseveration kommt nur dann sehr deutlich zum Vorschein, wenn kein neuer Bewusstseinsinhalt eingepraegt wird" 7 Vogt: keine andern interessierenden Bewusstseinsvorgaenge, vergleicht hypnotische/katatonische Zustaende Einfluss Janets: Einengung d. Bewusstseins, Herabs. d. Aufmerksamk. Evensen: Parallele Katatonie - Zerstreutheit Masselon: Herabsetz.g d. Aufmerksamkeit bei Katatonie; Dem. praec.: apathie emotionelle; kaprizioeses Gedaechtnis (Jung: Nichtantworten nach deutscher Schule = Negativsymptom, koennte aber auch Nichtreproduzierenkoennen sein); Befehlsautomatie; beobachtet eingeschraenkte Aufmerksamkeit, aber nach Jungs Meinung zu wenig Augenmerk auf Einfaelle, die bei Assoziationsuebungen vorkommen (Jung: Nichtwissen oder Sperrung bei dem. Praecox schwer auseinanderzuhalten) Weygand: nach Wundt Endprozess d. Dem. praec. "apperzeptive Verbloedung" 11 Wundt: Apperzeption = Vorgang, durch den ein psychischer Inhalt zu klarer Auffassung gebracht wird, Aufmerksamkeit = durch "eigenthuemliche" Gefuehle gekennzeichneter Zustand, der die klarere Auffassung eines psych. Inhaltes begleitet (nach Wundt, Grundriss d. Psychologie 1902, p 249); gleicher Tatbestand, aber Aufm. subjektiv, Apperzeption objektive Erfolge in Veraenderung d. Beschaffenheit d. Bewusstseinsinhalte (Jung: z. B. Wille, Gefuehl, Affekt, Suggestion, Zwangsphaenomen) Pelletier, Madeleine (L'assoc. des idees dans la manie aigue et dans la debilite mentale, These de Paris 1903): Ideenflucht aehnlich wie Liepmann (als bekannt vorausgesetzt), flacher Verlauf der Assoziation (<-> verringerte Aufmerksamkeit), P. uebersieht laut Jung Perseverationen, erwaehnt aber "Symbole" (cf. Traum); auch Katatonie in Zusammenhang mit Aufmerksamkeit. Psychologie d. Negativismus (nicht eindeutig): aktive/passive Form d. Negativismus - nach Ansicht v. Jung Negativismus immer assoziationsbasiert Bleuler zum Neg.: neg. Suggestibilitaet (Zwang zur Kontrastassoziation) auch bei Hysteriem Zwangsphaen., Dem. praec. Kontrastmechanismus soll vor ueberstuerztem Handeln schuetzen (Suggestibilitaet -> gefuehlsstarke Vorstellungen, Entschluesse, ... Kontr. = Gegenteil) Jung Zusammenf.: Dem. Praec. = apperz. Verbloedung (Verflachung Assoz., Symbole, Stereot., Persev., Befehlsaut., Apathie, Abulie, Reproduktionsst., tw. Negativismus), aber Auffassung u. Merkfaehigkeit meist nicht beeintraechtigt Schluss: Gedaechtnis = passive Registrierung (der Vorgaenge in der Umgebung) Stransky von klin. Seite: nach Kraepelins "gemuetlicher Verbloedung" (1. Armut/Oberfl. d. "gemuetlichen Reaktionen", 2. Inkongruenz) Annahme von getrennter Noopsyche und Thymopsyche (cf. Schopenhauer Intellekt, Wille) - Inkongruenz -> Dem. praec. mit unverst. Affekten ("Ataxie") Jung vergleicht Hysterie (Inkongruenz kann durch PA aufgedeckt werden) mit Dem. Praecox (wo ein "Eindringen" "noch" nicht moeglich ist) und lehnt eine separate Erklaerung im Sinne Stranskys ab Assoziationen - vergleicht Pelletier (Dem. Praecox), Stransky (Gesunde), Jung (Gesunde) Jung: "Versinnbildlichung eines ganzen Vorgangs", cf Freud Verdichtung (im Traum) Otto Gross: dementia sejunctiva (Ueber Bewusstseinszerfall, Monatsschr. f. Psycho. u. Neur. S. 45) Bewusstseinszerfall = Sejunction d. Bewusstseins (Sejunctionsbegriff von Wernicke, aber laut Jung synonym mit aelterem Dissoziationsbegriff nach Binet/Janet: Schwaechung d. Bewusstseins durch Abspaltung einer/mehrerer Vorstellungsreihen, daraus Breuersche Hysterielehre -> Automatismen bei Breuer/Frud) 37 Freud: Stranskys Inkongruenz 38 Hysterie: Beweglichkeit der Affekt, Paranoid: Fixierung d. Affekte n. Neisser (Individualitaet und Psychose Berln 1906 S. 29) 39 Nesser -> apperzeptive Verbloedung: "Mangel an Neuerwerb, Laehmung des zweckmaessigen (der Realitaet angepassten) Fortschrittes, Zerfall der Persoenlichkeit, Autonomie der Komplexe." -> gemuetliche Veroedung (sic), Masselon: "Gerinnung"; Jung: "Fixierung der Komplexe bedeutet also, in Anlehnung an Freud: Die verdraengten Komplexe (die Traeger d. Affektes) koennen nicht mehr aus dem Bewusstseinsprozess ausgeschaltet werden, sie bleiben und verhindern dadurch die Weiterentwicklung der Persoenlichkeit" 40 hysterogener Komplex -> reparable Folgeerscheinungen, Dem. praecox -> "Anlass zum Auftreten einer Stoffwechselanomalie (Toxine?), welche das Gehirn in einer mehr oder weniger irreparablen Weise schaedigt, so dass infolge des Defektes die hoechsten psychischen Funktionen lahmgelegt werden. Dadurch ist der Neuerwerb von Komplexen erschwert oder aufgehoben, der pathogene oder besser: ausloesende Komplex bleibt der letzte, und die Persoenlichkeit ist in ihrer Weiterentwicklung endgueltig aufgehalten.", sieht auch Moeglichkeit einer primaeren Stoffwechselstoerung im Sinne Kraepelins Zusammenf.: apperz. V. - Weygandt; Diss./Abais. - Janet-Masselon; Bew.-zerfall - Gross; Pers.-zerfall - Neisser et al.; Fixierung - Masselon, Neisser; gemuetliche Verbl. - Neisser; abgespaltene Vorstellungsreihen - Freud (Konversion bei D. p., aber warum keine Hysterie?), Gross; daher prim. o. sek. Toxine - Jung (!) 42: II. Kapitel - Der gefuehlsbetonte Komplex und seine allgemeinen Wirkungen auf die Psyche "Die wesentliche Grundlage unserer Persoenlichkeit ist die Affektivitaet. Denken und Handeln ist sozusagen bloss Symptom der _Affektivitaet_" (-> Bleuler "Affektivitaet, Suggestibilitaet, Paranoia", Halle, Marhold 1906 ...) 75 Schlaf: autosuggestiver Anschein; "Schlafzwang, der den Eindruck einer Vergiftung durch Stoffwechseltoxine macht." 113f: "Bei der Dementia praecox finden wir eben- falls einen oder mehrere Komplexe,